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Streichorchester

Das Stadtorchester Klingenthal - ein historischer Abriß

Das Stadtorchester Klingenthal kann im Jahre 2016 auf sein 150jähriges Bestehen zurückblicken. Es wurde 1866 von einigen begeisterten Musikern als "Musikvereinschor Klingenthal" gegründet. Daraus entstanden in oft widersprüchlicher, aber doch kontinuierlicher Entwicklung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts sowohl ein leistungsstarkes Blasorchester als auch ein ebenso niveauvolles Sinfonieorchester.

Im Jahre 1911 wurde der noch junge, verdienstvolle Musiklehrer Ernst Uebel mit der Leitung des Orchesters beauftragt. Als Dirigent, Komponist und Arrangeur führte er Sinfonieorchester und Blasorchester zu einer hervorragenden künstlerischen Qualität. In Anerkennung seiner Bedeutung für die Musikstadt Klingenthal wurde dem "Musikvereinschor" im Jahre 1921 der Name "Stadtmusikchor Klingenthal" zuerkannt, und zugleich wurde dem Dirigenten Ernst Uebel der Titel "Stadtmusikdirektor" verliehen.

Der Zweite Weltkrieg führte in Klingenthal auch das gesamte Musikleben an den Rand des Abgrundes. Mühevoll und doch voller Energie begannen nach seinem Ende verantwortungsbewußte Musiker, Musikinstrumentenbauer und Kommunalpolitiker unverzüglich mit dem Wiederaufbau des Orchesters, und schon im November 1946 wurden zum 80. Jubiläum der Orchestergründung die "1. Musiktage in Klingenthal" durchgeführt. Allerdings durfte das Orchester unter den Bedingungen jener Zeit seinen Namen "Stadtorchester" nicht mehr tragen. Es wurde "Bezirksorchester Klingenthal" genannt, weil die klingenden Täler damals allgemein als der "Klingenthaler Bezirk" bezeichnet wurden. Zu dieser Orchestergemeinschaft gehörten in jener Zeit verschiedene Klangkörper, vor allem aber weiterhin das Sinfonieorchester und das Blasorchester, beide von anerkannt hohem künstlerischem Rang. Dieses anspuchsvolle Niveau wurde von so hervorragenden Klingenthaler Musikern wie Stadtmusikdirektor Ernst Uebel, Musikdirektor Ernst Ubel, Alfred Wolf, Kunstpreisträger Heinz Dähn, Stadtmusikdirektor Hugo Herold, aber auch von Musikerpersönlichkeiten wie Max Poppa, Herbert Gerbeth, Herbert Körner und vielen anderen maßgeblich geprägt.

Leider konnte aber trotz aller Bemühungen die Selbstauflösung des so wertvollen Sinfonieorchesters um 1968 infolge der Unzufriedenheit der Musiker mit einigen Erscheinungen der damaligen Kulturpolitik nicht aufgehalten werden. Das Blasorchester überstand jedoch erfolgreich diese schwerwiegenden inhaltlichen Probleme. Es konnte sein hohes Niveau nicht nur halten, sondern im Laufe der Jahre sogar ständig weiter steigern. Mehr als 200 Konzerte im benachbarten Kurort Bad Elster und Hunderte von bedeutsamen anderen Auftritten daheim und in der Ferne vor begeistertem Publikum legen davon Zeugnis ab. Sie waren auch die Grundlage dafür, daß das "Stadtorchester Klingenthal", das als eingetragener gemeinnütziger Verein seit 1991 offiziell auf Beschluß des Stadtrates wieder diesen Namen trägt, im Jahre 1995 vom Bundespräsidenten Roman Herzog mit der "Pro musica-Plakette" ausgezeichnet wurde.

Unter der Leitung von Rico Schneider beweist sich das Stadtorchester Klingenthal mit dem ihm eigenen besonderen Sound und einem schier unerschöpflichen Repertoire klassischer und moderner Blasmusik dank der überwiegend orchestereigenen Arrangements als ein Orchester der Sonderklasse und als ein würdiger Repräsentant der Musikstadt Klingenthal und seiner gesamten vogtländischen Heimat.

(GH)

 

Die Anfänge des Orchesters

Die Geschichte des Stadtorchesters Klingenthal geht auf das Jahr 1866 zurück. Wenn aus den ersten Jahren auch gegenwärtig im Archiv des Orchesters keine Primärdokumente vorliegen, gilt es doch als gesichert, daß die Gründung eines »Musikvereinschores« eben in diesem Jahre 1866, also vor 130 Jahren, erfolgte.

Jedenfalls deuten seit Anfang dieses Jahrhunderts Programme und andere Veröffentlichungen über das Orchester darauf hin, unter anderem auch Festprogramme und Festschriften zu Jubiläumsfeierlichkeiten.

Über die Gründung des »Musikvereinschores Klingenthal«, wie das Orchester in den ersten Jahrzehnten nach seiner Gründung auch weiterhin genannt wurde, heißt es in einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1991:

»Es soll 1863 und kurz vor dem Weihnachtsfest gewesen sein, als im elterlichen Haus von Wilhelm Dörfel in Brunndöbra eine Anzahl junger Leute im Alter zwischen 14 und 18 Jahren zusammenkam und gemeinsam musizierte – so sind jedenfalls die frühen Anfänge des Orchesters in Annalen festgehalten.

Auch die Gründer sind namentlich bekannt: Wilhelm Dörfel machte den Dirigenten und spielte die 1., sein Bruder Leberecht die 2. Geige. Eduard Jahn ›der Gahschuster‹ strich den Baß, Reinhard Meinel ›Scholerfriedel‹ blies die Klarinette, Eduard Fuchs aus Zwota die Trompete und Christian Meinel, ›der Hussen-Christian‹, die Flöte. Ein Jahr später spielte die Truppe bereits zum Tanz. Mit Karl Schlott, auch ›Langer Schlott‹ genannt, Louis Meisel und Hermann Hoyer als Klarinettisten, Christian Glaß als Waldhornbläser sowie Oskar Unterdörfer und Bernhard Glaß als Trommler schlossen sich schon bald weitere junge Musikanten der kleinen Schar an.

Die jungen Leute fanden durch ihr gutes und sauberes Spiel schnell große Anerkennung unter ihren Zuhörern und erhielten nach kurzer Zeit in Klingenthal und seiner Umgebung zahlreiche Auftrittsmöglichkeiten.

Sie erregten schließlich auch das Interesse des Klingenthaler Fabrikantensohnes Moritz Dörfel, eines jungen Mannes, der ›sich für alles Schöne und Gute interessierte‹. Dieser gesellte sich im Jahre 1866 zu der Musikantenschar, schloß sie zu einem richtigen Verein zusammen und wurde so zum Gründer des ›Musikvereinschores Klingenthal‹, aus dem unser heutiges Stadtorchester Klingenthal hervorgegangen ist.

Damals wählte man Moritz Dörfel einstimmig zum Direktor, also zum Vereinsvorsitzenden. Wilhelm Dörfel, den Dirigenten, machte man zu seinem Stellvertreter.«

Das Musikvereinschor wird Stadtorchester

In einem Schriftstück mit dem Siegel des Stadtrates Klingenthal, datiert vom 1. Februar 1921 und unterzeichnet vom damaligen Klingenthaler Bürgermeister Dr. Ungethüm, wurde zwischen der Vereinigung »Musikvereinschor Klingenthal« und der Stadtgemeinde Klingenthal vereinbart, daß das Orchester den Titel »Stadtmusikchor« führen darf. Bedingung dafür war jedoch, daß »sich das Orchester und seine einzelnen Mitglieder so verhalten, daß es der Stadt zur besonderen Ehre gereicht«.

Gleichzeitig wurde vereinbart, daß dem Leiter des Orchesters die Bezeichnung »Stadtmusikdirektor« verliehen wird und daß auch künftig jeder neu gewählte Leiter des Orchesters diese Bezeichnung führen wird. Der Leiter des Orchesters war damals der verdienstvolle Musiklehrer Ernst Uebel, der damit zum ersten Klingenthaler Stadtmusikdirektor wurde.

Mit der Unterzeichnung dieses Schriftstückes war für das Orchester die Verpflichtung verbunden, »jährlich wenigstens 8 Platzmusiken und die Silvestermusik an den vom Stadtrat dafür bestimmten Orten zu spielen«. Außerdem war das nunmehrige Stadtmusikchor verpflichtet, bei feierlichen Anlässen des Stadtrates zu musizieren. Dafür sicherte der Stadtrat eine jährliche Entschädigung in Höhe von 2000 Mark zu, die aber auf Grund der Unsicherheit in der währungspolitischen und finanziellen Entwicklung alljährlich neu festgelegt werden sollte. Ein Vertragsverhältnis sollte jedoch für beide Partner aus dieser Vereinbarung nicht resultieren, vor allem sollte das Stadtmusikchor seine freie Entscheidungsfähigkeit weiterhin behalten.

Nach entsprechenden Beschlußfassungen durch die Stadtverordnetenversammlung und den Stadtrat, den damaligen beiden städtischen Gremien, trat dann diese Vereinbarung in Kraft, und das nunmehrige »Stadtmusikchor« entwickelte eine erstaunlich rege Konzerttätigkeit. Es genoß ein großes Ansehen weit über die Grenzen des Ortes hinaus. Maßgeblich trug dazu die Persönlichkeit von Stadtmusikdirektor Ernst Uebel bei, wie man den Pressestimmen jener Tage entnehmen kann.

Durch Ortsgesetz vom 19. Dezember 1933 wurde das Orchester zu einer Städtischen Körperschaft und hieß nun »Stadtorchester Klingenthal«. Allerdings büßte es damit seine freie Entscheidungsfähigkeit ein. Im entsprechenden Dokument hieß es dazu im § 1: »In Klingenthal wird ein Orchester errichtet, das den Namen ›Stadtorchester Klingenthal‹ führt. Das Stadtorchester steht unter der Aufsicht des Stadtrates.«

Die beginnende Ära des Dritten Reiches fand so auch im strengen Reglement dieses Klingenthaler »Ortsgesetzes« ihren Ausdruck. So war dem Orchester beispielsweise ein genauer Stellenplan vorgegeben. Die »ständigen Mitglieder« mit der Amtsbezeichnung »Stadtmusikus« schmücken durften.

Dieser Stellenplan sah folgendermaßen aus:

»1. Violine: 4 ständige Stellen, 3 nichtständige Stellen

2. Violine: 2 ständige Stellen, 3 nichtständige Stellen

Bratsche: 2 ständige Stellen, 1 nichtständige Stelle

Cello: 2 ständige Stellen, 2 nichtständige Stellen

Bass: 2 ständige Stellen, 2 nichtständige Stellen

Flöte: 1 ständige Stelle, 2 nichtständige Stellen

Fagott: 1 ständige Stelle

Oboe: 1 ständige Stelle

1. Klarinette: 1 ständige Stelle

2. Klarinette: 1 ständige Stelle

1. Waldhorn: 1 ständige Stelle, 1 nichtständige Stelle

2. Waldhorn: 1 ständige Stelle, 1 nichtständige Stelle

1. Trompete: 1 ständige Stelle

2. Trompete: 1 ständige Stelle, 1 nichtständige Stelle

Posaune: 3 ständige Stellen, 1 nichtständige Stelle

Pauke: 1 ständige Stelle

Trommel: 1 ständige Stelle

Schlagzeug: 1 ständige Stelle

Der Stadtmusikdirektor ist der Führer des Stadtorchesters.«

 

Nun mußte das Stadtorchester jährlich mindestens 3 Sinfoniekonzerte und 10 Platzmusiken geben und bei sonstigen festlichen Anlässen der Stadtgemeinde mitwirken. Außerdem sollten während des Sommers auch regelmäßige Konzerte in der städtischen »Musikhalle«, einem Musikpavillon auf der Alberthöhe, veranstaltet werden. Dazu kamen volkstümliche Konzerte und sogar Konzertreisen.

Aber auch Strafen für die Mitglieder des Orchesters, die ihre Pflichten vernachlässigten, waren in diesem Ortsgesetz verankert. Sie schlugen sich vor allem in finanziellen Sanktionen nieder.

In das Stadtorchester jener Tage durften nur »ehrbare Personen« aufgenommen werden. Schon bald mußten die Mitglieder einen Nachweis ihrer »arischen Abstammung« erbringen und wurden zum Tragen einer zeitgemäßen Uniform verpflichtet.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ging diese eigentümliche Ära des Stadtorchesters Klingenthal zu Ende. Die Kriegsjahre hatten dem Musikleben unserer Stadt eine schwere Erschütterung beigebracht, die nur durch den Enthusiasmus einiger mutiger Musikfreunde rasch wieder überwunden werden konnten.

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